Besen binden

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Der Reisigbesen

Noch vor einigen Jahren war die Winterzeit des Kleinbauern geprägt durch handwerkliche Arbeiten zur Herstellung verschiedener Güter des täglichen Bedarfs. Dazu gehörte auch das Binden der Reisigbesen. Gefegt wurden damit die Stallgänge, Höfe und Werkstätten. Bei mittlerer Beanspruchung hält so ein Besen ca. ein Jahr. Viele alte Bauern verwenden heute noch selbst gebundene Besen, weil sie in der Handhabung sehr bequem sind.

Bilder

Material und Werkzeug

  • Birkenreisig
  • Rosen- oder Gartenschere
  • Bindedraht
  • Besenstiel (oder geschnitzter Stiel)
  • 3m Seil
  • Stabiles Brett, 50 cm
  • scharfes Taschenmesser

Reisig

Das Reisig wird im Spätherbst und Winter von Birken gesammelt. Es werden die dünnen Endäste mit einer Gartenschere ungefähr auf Armlänge abgeschnitten und zu großen Bündeln gebunden, die dann bequem auf dem Rücken, Karren oder Anhänger transportiert werden können. Pro Besen braucht man ungefähr soviel Reisig, wie sich mit beiden Händen umfassen lässt.


Aus der Praxis

Die "Bortsne" des Reisigbesen sind nicht ganz so haltbar, wie die Nylonborsten gekaufter Hof- oder Straßenbesen. Jedoch besteht der Reisigbesen zu 100% aus biologisch abbaubaren Materialen. Der Besenstiel kann bei vielen Generationen von Besen Verwendung finden. Es empfiehlt sich, beim Gebrauch des Reisigbesen nicht zu kräftig aufzudrücken, damit die feinen Ästchen nicht umknicken. Die Vorteile des Reisigbesens liegen aber auch in der Handhabung, egal mit welcher Körperhaltung gefegt wird, z.B. auch seitlich neben dem Körper. Wegen seiner Flexibilität eignet er sich besonders für das Fegen an unzugänglichen Stellen, z.B. hinter Bänken oder Maschinen, da ist mit herkömmlichen Besen ständig ein Verhaken und "gepolter" nötig. Wird der Besen steil gehalten fegt er schmale Zwischenräume, auf dem Hof schafft er mehr, je schräger er gehalten wird. Der Reisigbesen fegt auch sehr gut Heureste die sich in herkömmlichen Besen gerne festsetzen. Wer einmal mit einem Reisigbesen Stall, Scheune oder Hof gefegt hat, möchte ihn nicht mehr missen.

Herstellung

Vor Verwendung des Reisigs empfiehlt es sich, ihn einige Tage zu lagern damit er etwas trocknet. Es werden, in etwa, gleich lange Zweige um einen mittleren Zweig gelegt. Die Zweige haben eine natürliche Krümmung, die Krümmung soll mit jedem Zweig abwechselnd, nach außen oder innen zeigen. Wichtig ist die Formgebung unten an der Fegefläche, oben am Abschluss kann der Zweig später gekürzt werden. Ist das Bund nicht mehr mit einer Hand zu halten, wird ein Seil an der Decke eines Raumes oder außen an einem Ast gebunden. Das Seil wird zweimal um das Reisigbund gelegt, unten am herunterhängenden Ende wird, über dem Boden, eine Schlaufe gebunden, in die ein Brett eingelegt wird (siehe Foto). Der Besenbinder kann nun mit seinem Fuß auf dem Brett das Seil nach Belieben spannen und damit das Reisigbündel fest zusammenziehen. Durch hin und her drehen des Bündels unter Zug am Seil, wird das Bündel immer enger. Hat der Besen die richtige Stärke, wird er zwei Mal mit Bindedraht zusammengebunden (Abstand auch mindestens eine Hand breit). Um den Besen zu fächern, werden etwa eine Hand breit unter der ersten Bindung einige Abbindungen angebracht, die die Breite des Besen festlegen. Zum Abschluss wird der Besen noch etwas in Form gebracht, lange überstehende Zweige werden gekürzt. Oben, wo der Stiehl angebracht wird, wird mit einem Messer der ganze Besen etwas konisch nach oben verjüngt. Das verhindert ein Verhaken bei der späteren Benutzung, an Vorständen oder unter Bänken und Sträuchern. Den Abschluss der Arbeit bildet das "Einschlagen" des Besenstiehls. Dieser Arbeitsschritt kann durchaus auch Monate später stattfinden, wenn der Besen z.B. als Ersatz hergestellt wird. Der Besenstiel wird leicht angespitzt und mit der Spitze nach oben auf den Boden gestellt. Von oben wird nun der Besen auf den Stiehl gedrückt, ist er etwas eingedrungen, wird einfach der Besenstiehl einige Male kräftig auf den Boden gestampft, damit er richtig in das Reisigbund eindringt. Es ist darauf zu achten, dass der Stiel nicht zu weit über die beiden angebrachten Abbindungen hinaus ragt aber doch beide Abbindungen passiert hat. Um unförmige Besen in Form zu bringen, kann man sie mit einem Brett oder Platte abdecken und diese mit Steinen oder anderen Gewichten beschweren, so gelagert bis zum nächsten Sommer haben sie eine bessere, breitere Form.

Links

[Reisigbesen kaufen (Handarbeit)]