Rohwolle vom Tier

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Wolle / Schafwolle

An dieser Stelle können die verschiedenen Wollarten beschrieben werden, der Verwendungszweck der einzelnen Wollfasern und natürlich die verschiedene Eignung der Schafsrassen und was noch dazu gehört.

Schließlich ist Wolle nicht gleich Wolle ;)

Artikel

Am bekanntesten ist die Rohwolle vom Schaf, aber auch auch die Wolle oder Haare anderer Tiere lassen sich verarbeiten und nutzen.

Üblich sind Wolle oder Haare vom:

- Kamel

- Alpaka

- Angorakaninchen

- Lama

- Mohair Ziege

aber auch die Haare von Hund und Katze erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Eins ist jedoch allen gemein: Im Gegensatz zur Schafswolle, verfügen diese Tierarten über kein Lanolin. Das bedeutet das fettige Gefühl fehlt und auch die damit wasserabweisende Funktion ist etwas anders

Den Hauptanteil in der Verarbeitung von Tierfasern nimmt Schafswolle ein. Schafswolle ist sehr unterschiedlich in Ihrer Nutzung, abhängig von der Schafsrasse.

Allgemeines zur Schurwolle

Die Bezeichnung Schurwolle oder Reine Schurwolle drückt aus, dass es sich um neue, unmittelbar von einem lebenden Tier stammende Wolle, und nicht um ein wieder verwendetes, also aus Alttextilien hergestelltes Recyclingprodukt wie Reißwolle oder um die aus den Fellen geschlachteter Tiere gewonnene Wolle handelt.

Wolle hat natürliche Thermoregulations-Eigenschaften. Sie kann im Faserinneren Wasserdampf aufnehmen, die Oberfläche stößt Wasser jedoch ab. Die Aufnahme kann bis zu 33 % des Trockengewichts der Wolle betragen, ohne dass sie sich feucht anfühlt. Außerdem leitet sie die Feuchtigkeit wesentlich schneller ab, als beispielsweise die viel verwendete Baumwolle.

Da Wollwaren (bezogen auf ihr Gesamtvolumen) aus bis zu 85 % Luft bestehen und eignen sie sich als Wärmeisolatoren. Umgangssprachlich heißt es deshalb, dass Wolle gut "wärmt", obwohl Wolle selbst eigentlich nur die Wärme des Körpers speichert.

Wolle nimmt Schmutz und Gerüche schlecht an und hat eine natürliche Selbstreinigungsfunktion - aufgenommener Geruch wird wieder an die Luft abgegeben, die Wolle riecht nach kurzem Lüften wieder neutral und frisch. Sie kann Schweiß chemisch binden und somit lange neutralisieren.

Sollte es nötig sein, wäscht man sie in lauwarmen Wasser, evtl. mit einer milden Seife oder Wollwaschmittel. Dabei sollte sie so wenig wie möglich bewegt werden, denn da sie nicht mit Chemikalien behandelt ist, kann sie verfilzen. Seife löst jedoch das natürliche Lanolin aus der Wolle, welches ebenfalls einen schmutzabweisenden Effekt hat.

Wolle verträgt Hitze, aber keine Temperaturschocks.

Aufbau des Wollhaares

Man unterscheidet verschiedene Fasern in einem Vlies:

a) Grannenhaare oder Langhaare ( 30 - 70 µ ) Sie sind markhaltige, grobe Fasern und bis zu 30 cm lang. Mitverarbeitet geben sie der verarbeiteten Wolle ei rauhes Gefühl, können aber z.B. bei Stricksocken als Stabilisator hilfreich sein Lassen sich nicht filzen


b) Stichelhaare

Sie sind 1 - 4 cm lang, gerade und spröde und unterliegen partiellem Haarwechsel. lassen sich schlecht verfilzen, tragen jedoch bei Socken ebenfalls aus Stabilisator bei


c) Übergangshaare oder Heterotypes

Sie sind verschiedenartig gestaltet, teilweise markhaltig; Wachstum nur ein Jahr.


d) Woll- oder Flaumhaare ( 10 - 35 µ )

Feine, marklose, gekräuselte, Fasern. Werden bis zu 15 cm lang und bilden die eigentliche Wolle. Je höher und feiner der Anteil, desto besser lässt sich die Wolle meistens filzen


Die Qualität der Wolle ist abhängig von Faktoren wie Haltung, Fütterung und Laktation. In feucht-warmen Ställen wird das Wollhaar brüchiger. Bei Futtermangel, insbesondere Eiweiß kommt es zur Hungerwolle. eine sehr dünne, brüchige Wolle. Ähnlich kann es bei laktierenden Schafen sein, da die Energie in die Milchproduktion geht.

Unterscheidung der Vliesarten

Vliese unterscheiden sich je nach Schafrasse stark in ihrer Qualität und Verwendungszweck.

Grundsätzlich kann man Schafe in drei Kategorien einordnen:

Schlichtwolle Rassen: Leineschaf, Coburger Fuchs Mischwollige Rassen: Skudde, Zackelschaf, Moorschnnucke, Rauhwolliges Pommersches Landschaf Feinwollige Rassen: Merino


Weiteres Unterscheidngsmerkmal ist die Feinheit, welche durch die Kräuselung des einzelnen Haares gekennzeichnet ist. Je stärker die Kräuselung, desto feiner das Wollhaar

KräuselungWollhaar.jpg

Mischwollige Rassen haben oft sehr feine Wollhaare, durch den hohen Anteil an Grannenhaaren ist die Wolle jedoch insgesamt sehr rauh. Wenn man die Grannenhaare auszupft, erhöht dies die Feinheit der Wolle.


Die Feinheit der Wolle wird in Mikron (µ = 1/1000 mm) gemessen und in Kategorien von A bis E eingeteilt, welche auch als Handelsklassen gelten.

AA A AB AB/B B BC C CD D DE E EE
Durchmesser 19,25 µ 20,65 µ 21-22 µ 22-23,5 µ 24-26 µ 26-28 µ 28-29 µ 29-30,5 µ 31-33 µ 33-36 µ 37-39 µ 40-43 µ

Verteilung der Wolle am Schaf

Die Wollqualität der einzelnen Bereiche eines Schafes ist unterschiedlich, woraus sich auch eine unterschiedliche Nutzung ergibt.

Vlieseinteilung.JPG


Rote Bereiche: Brandwolle, die verworfen wird bzw sich gut als Dünger eignet

Blaue Bereiche: Rauhe Wolle, oft mit hohem Einstreuanteil, eignet sich (behandelt) als Dämmwolle

Gelbe Bereiche: Mittelrauhe Wolle, je nach Schafrasse gut zum filzen, Teppichgarn, Dämmwolle

Grüne Bereiche: Die beste(feinste) Wolle zum weiterverarbeiten

Sortieren/Vorbereiten der Wolle

Waschen und trocknen der Wolle

Die folgenden Beschreibung bezieht sich auf Schafwolle:

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Wolle zu waschen und neben persönlicher Vorlieben und räumlichen Möglichkeiten spielt auch der Verwendungszweck eine Rolle.

Man kann die Haare/Wolle direkt aus der Flocke spinnen. Manchmal bietet es sich auch an, wenn sie besonders sauber und ordentlich ist. Die Wolle kann hinterher gewaschen werden. Von Vorteil ist es, wenn die Stränge einfädig sind (also noch nicht gezwirnt sind, da sich Dreck und Lanolin besser auswaschen lassen. Die gewaschene und noch nasse Wolle kann direkt ins Färbebad, so das man sich nicht nur den Arbeitsgang des kardieren spart, sondern auch das Einweichen vor dem färben.

Grundsätzlich ist der Grad der Entfettung den man durch das waschen erreichen will, abhängig vom weiteren Verwendungszweck. Für robuste Outdoorkleidung, die möglichst wasserabweisend und selbstreinigend sein soll, empfiehlt es sich einen möglichst hohen Anteil an Lanolin zu erhalten und nur den Überschuss und Dreck auszuwaschen.

Soll die Wolle mit feiner Nadelung kardiert werden, wie es Wollkämmereien als Dienstleistung anbieten, muss sie relativ fettfrei sein, weil sonst die feine Nadelung verklebt. Wichtig- egal welche Methode man wählt- ist es die Wolle möglichst wenig zu bewegen und das die Wassertemperaturen in etwa gleich sind. Wolle verträgt Hitze, aber keine Temperaturschocks und keine Bewegung wenn sie nass ist. Je nach Schafart kann sie so schnell verfilzen.

Möglichkeit 1 bietet sich in den Sommermonaten an, wenn die Sonne das Wasser erwärmt und erhält viel Lanolin.

Man benötigt drei Bottiche, möglichst Regenwasser,einen Kartoffelkorb aus Plastik, evtl. ein Feinwäschenetz und Waschmaschine bzw eine Schleuder

In Bottich 1 kommt die Wolle - je nach Verschmutzungsgrad für 1-2 Tage zum einweichen. Dann kommt sie in den Kartoffelkorb für ein paar Stunden zum abtropfen. Von Vorteil ist es, wenn der Korb leicht schräg steht oder einen Wandhaken gehangen werden kann, weil die Wolle dann optimal abtropft. Das Wasser aus Bottich 1 ist ideal zum Blumen gießen und wird nicht weiter verwendet.

In Bottich 2 kommt die Wolle anschließend für ein ein weiteres Spülbad für ca 1 Tag und anschließend wieder zum gründlichen Abtropfen in den Kartoffelkorb Das Wasser aus Bottich kann weiter verwendet werden- als Bottich 1 für die nächste Wollfuhre.

In Bottich 3 kommt die Wolle für ein drittes und letztes Bad für einen weiteren Tag. Danach wird Bottich 3 zu Bottich 2 für die nächste Wollfuhre.

Danach kann man die Wolle wieder gründlich abtropfen lassen oder man packt sie in ein sicher verschließbares Wäschenetz und schleudert sie auf volle Touren. Anschließend kann sie ausgebreitet werden zum trocknen, sollte jedoch immer zwischendurch gerupft werden, damit sie besser trocknet und verklebte Faserspitzen die sich durch das Waschen nicht gelöst haben, sich lösen. Soll bereits gesponnene Wolle gewaschen werden, kann genauso verfahren werden. Wenn man die Stränge auf kleinen S-Haken(Küchenbedarf) hängt, kann man die Haken an den Bottichrand hängen und Stränge vertüdeln nicht so leicht.

Grundsätzlich macht es Sinn, die Wolle in der Mittagszeit aus dem Bottich zu holen, wenn das Wasser am wärmsten ist, da dann das auf dem Wasser schwimmenden Lanolin nicht so leicht an der Wolle hängen bleibt, wenn man sie aus dem Bottich holt.

Möglichkeit 2

Mit Soda, wenn die Wolle gut entfettet werden soll.

Die Mengen beziehen sich auf ca 500 Gramm Wolle. Benötigt wird: Ein 12 Liter Eimer oder größer, Kochlöffel, 2-4 Essl. Waschsoda, heißes Wasser, Kartoffelkorb aus Plastik, ein Feinwäschenetz und evtl. Waschmaschine bzw eine Schleuder.

In den ersten Bottich kommt möglichst heißes Wasser mindestens 50 Grad, es kann auch auf einem Holzofen die Wolle gekocht werden. Kochen schadet der Wolle nicht. Darin wird das Soda aufgelöst und die trockene Wolle kommt in das Wasser - Sie muss jedoch genug Platz zum schwimmen haben.

Darin kann sie kurz weichen, sollte jedoch aus dem Wasser bevor das Wasser abgekühlt ist, damit das ausgelöste Lanolin nicht wieder an den Fasern hängen bleibt.

Die Wolle kurz abtropfen lassen und solange sie nicht ausgekühlt ist, wieder in einem Topf mit heißem Wasser spülen. Anschließend gut abtropfen und vor allem auskühlen lassen, bevor sie in ein oder zwei weitere Spülbäder mit kaltem Wasser kommt. Anschließend gut abtropfen lassen oder in dem Feinwäschenetz in der Waschmaschine schleudern(volle Touren). Beim trocknen ist es von Vorteil sie immer wieder zu rupfen.

Möglichkeit 3

Direkt in der Waschmaschine waschen.

Das Ergebnis ist abhängig von der Feinheit und Filzfähigkeit der Schafrasse. Während das Ergebnis mit ostfriesischen Milchschaf gut wird, verfilzen die Fasern vom Leineschaf relativ leicht. Dafür wird die Wolle in ein Feinwäschenetz gepackt. Mengenmäßig ca 1/2-1 kg und anschließend - je nach Rasse- auf Wollwaschgang mit Soda gewaschen. Am besten ohne Schleudern, das Ergebnis wird besser, wenn dieser separat am Schluss erfolgt. Die Wolle wird jedoch nicht so gut entfettet, wie bei Möglichkeit 2.

Nutzen/Endverarbeitung der Fasern

Sind die Fasern soweit vorbereitet gibt es verschiedene Möglichkeiten der Nutzung. Sie können gesponnen, gefilzt, kardiert werden. Kardierte wolle kann als Füllung für Kissen, Decken, Stopfmaterial(Puppen o.ä. oder e,Mottenschutzbehandlt als Dämmmaterial, dienen.

Bilder

Erfahrungswerte

Die verschiedenen Tierarten und Schafrassen haben unterschiedliche Eignungen für die Weiterverarbeitung. manche lassen sich besser Spinnen, andere filzen, manche sind hervorragend für Pullover, andere für Socken. Es ist ärgerlich wenn man aus "Sockenuntauglicher" Wolle wie dem Gotland Pelzschaf versucht Socken zu stricken, und diese nach 3x tragen die ersten löcher aufweisen. Bei dieser Rasse wäre die Zeit besser in einen kuscheligen Pullover investiert. Jede Rasse/Tierart hat ihre Vorzüge und Verwendungszweck und wenn man dies beachtet, hat man viel Freude an dem selbst gearbeiteten Stück. So wird man dann auch schnell zum Selbstversorger im Teilbereich Pullover, Jacke oder Socken.

Rasse/Tierart Farbe Feinheit Stapellänge Ertrag Filzen Spinnen Verwendungszweck
Hund Rasseabhängig Rasseabhängig gering, da Haare ausgebürstet und nicht geschoren werden

geschorene Hundehaare sind sehr pieksig, durch die harte Haarschnittstelle

Handspinnen Abhängig von der Rasse, wird häufig für Oberbekleidung verwendet
Lama Handspinnen, Maschinenspinnen

die Verluste beim Handkardieren sind recht hoch

Oberbekleidung, Mütze, Schal
Angorakaninchen
Alpaka Handspinnen, Maschinenspinnen

die Verluste beim Handkardieren sind recht hoch

Oberbekleidung, Mütze, Schal
Bentheimer Landschaf 34-40 µ

C/CD/DE

3-4 kg filzt gut Handspinnen, Maschinenspinnen Oberbekleidung, Mützen, Schals,bei genügenden Anteil an Stichelhaaren auch als Socken

Lammwolle sehr weich

Zackelschaf 14-60 µ 25-30 cm 2-3 kg nur Unterwolle oder als ganzes Vlies Handspinnen

Für Maschinenspinnen ist die Stapellänge zu lang

Robuste Kleidung, Socken, Vlies als Hundedecken, Sitzkissen, Teppiche

Durch den hohen Grannenhaaranteil sehr Rauh, Unterwolle und Lammwolle sehr weich

Rauhwolliges Pommersches Landschaf 30-40 µ

BC/CD

4-6 kg filzt sehr gut Handspinnen, Maschinenspinnen sehr gut. Dunkle Lämmerwolle ist oft etwas rauher und dicker als die weiße Altschafwolle Eignet sich aufgrund des hohen Lanolinanteils zweifädig gesponnen extrem gut für Oberbekleidung & Hausschuhe, einfädig gesponnen für Handschuhe & Socken
Ostfriesisches Milchschaf 30-37 µ

BC/C

15-18 cm 4-6 kg filzt eher schlecht Handspinnen, Maschinenspinnen Dunkle Wolle ist sehr oft etwas rauher als die weiße

Oberbekleidung, Schal, Mütze

Gotland Pelzschaf 28-32 µ 1,5-2 kg Filzt sehr gut Handspinnen wegen der lockigen Struktur etwas schwieriger, Maschinenspinnen Oberbekleidung, Mütze, Schal
Leineschaf (alte Zuchrichtung) 28-34 µ

C/CD

12-15 cm 4-7 kg filzt gut Handspinnen, Maschinenspinnen Oberbekleidung, Schal, Mütze

Hautkontakt gut tragbar, da eher weich

Coburger Fuchs 33-36 µ

C/CD/D

10-18 cm 3-5,5 kg filzt sehr gut Handspinnen, Maschinenspinnen Oberbekleidung, Mütze Schal

auch als goldenes Vlies aufgrund seiner Färbung bekannt

Skudde 29-36 µ

CD-D-E

15-25 cm 1-2 kg Filzeigenschaften je nach Vlies sehr unterschiedlich von gut bis schlecht Handspinnen

Maschinenspinnen abhängig von der Stapellänge

sehr unterschiedlich je nach Vlies und Anteil der Stichel und Grannenhaare

wird oft für Tweedstoffe genutzt

siehe auch

Literatur